Zu Gast im Podcast Werden und Wachsen von Dr. Tom

Mit Dr. Tom Rohde habe ich in seinem Podcast Werden und Wachsen über den Klimawandel gesprochen.

https://player.fm/series/werden-wachsen/ep-028-klimawandel-bedrohung-und-chance-fur-die-menschheit-anja-paumen

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Anja Paumen ist Biologin, Buchautorin und freie Journalistin. Wir analysieren, was der Klimawandel eigentlich ist und welche Konsequenzen er für das Leben auf unserem Planeten mit sich bringt. Wir diskutieren über Gewinner und Verlierer der Klimaveränderung und stellen fest, der Schutz der Erde mit einer guten Beziehung zu uns selbst beginnt.

“Der Klimawandel birgt ein großes Risiko für die Menschheit und ist gleichzeitig ihre große Chance.” (Anja Paumen)

Pursuit of Happiness Today

In den Zeiten des Klimawandels ist es an der Zeit, „Glück“ neu zu definieren. Das Motto des 20. Jahrhunderts in der von der Aufklärung beeinflussten westlichen Welt war etwa wie folg: „Verfolge deine individuellen Ziele, um glücklich zu sein.“

Heute sind immer mehr Menschen finanziell und von der freiheitlichen Ordnung ihres Landes ausgehend in der Lage, sich auf den Weg zu ihrem eigenen Glück zu machen. Das ist gut. Aber liegt das eigene Glück heute weiterhin in dem Sinne darin, sich selbst die wichtigsten Wünsche zu erfüllen und seinen eigenen Zielen maximale Priorität zu verschaffen?

Wenn das so wäre, denn würde der Lebensstandard Europas, Kanadas, Nordamerikas, Japans nun auf die Schwellenländern wie China, Brasilien, Russland, Indonesien übertragen werden. Nach den Erfahrungen der letzten 50 Jahre würde das bedeuten: mehr Reisen, mehr Rindfleisch, mehr materielle Produkte pro Haushalt und mehr Fläche.

Alle diese Punkte verschärfen die Umweltprobleme.

Wie wäre es, wenn wir ein kollektives Ziel auch zu unserem eigenen Glücksziel erklären würden? Das Ziel die Erderwärmung auf 1,5°C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, würde allen Erdbewohnern gleichsam nutzen.

Würde es uns glücklich machen, wenn Inseln nicht untergehen? Wenn Küstenstädte nicht umziehen müssten? Wenn Menschen nicht ihre Heimat verlassen müssten, weil sie dort keine Ernte mehr einfahren können oder weil Erdrutsche und Wetterextreme das Leben dort unmöglich machen?

Würde es uns glücklich machen, wenn wir durch eine gemeinsame Anstrengung, die Vielfalt des Lebens erhalten? Wenn wir die Lebensräume von Tieren und Pflanzen erhalten, auch wenn wir sie nicht essen können oder wollen? Auch wenn wir dadurch Fläche für Produktion und Anbau verlieren?

The pursuit of limiting global warming to 1,5°C equals the pursuit of happiness for human kind. Die Verfolgung des Ziels die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen wäre gleichgesetzt mit dem Ziel der Suche nach dem Glück für die Menschheit.

 

 

 

Morgendämmerung: Wandelt euch in der Lausitz!

Reaktion auf einen Leser aus der Lausitz, der an die dort erscheinende Tageszeitung schrieb, dass der Klimawandel nichts mit dem Menschen zu tun hat, sondern nur auf den Zyklus der Sonnenaktivität zurückzuführen ist. 

Das ist ungefähr so, als würde heute jemand zu einem Seemann sagen: „Aber segele nicht bis zum Rand, sonst kippst du runter samt Schiff – von der Erdscheibe“. Man würde denjenigen für verrückt halten oder denken, der hat sich einen Witz erlaubt. Doch das ist genau das gleiche, wie in der Ausgabe vom 20.12.2018 ein Leser an die Lausitzer Rundschau schrieb, der immer noch glaubt, die Wissenschaft vom menschengemachten (anthropogenen) Klimawandel sei eine Theorie, die sich mit Sonnenfleckenaktivität gleich wieder widerlegen würde. Der Mann lebt noch in der Zeit von vor 100 Jahren. Die Zeit, als Menschen glaubten, die Erde sei eine Scheibe ist zwar schon  länger vorbei, aber die beiden Aussagen sind vergleichbar: die Erde ist eine Scheibe und der KLimawandel wird duch Sonnenfleckenaktivität ausgelöst. Denn beide Aussagen sind längst überholt.

Seit Arrhenius Ende des 19. Jahrhunderts nachwies, dass Kohlen(stoff)dioxid, auch CO2 genannt, die Atmosphäre aufheizt, ist klar, dass je mehr davon in der Luft ist, desto wärmer es wird. Seit dann Keeling in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts die direkte Messung der CO2 -Werte aus der Luft verbesserte, war messbar, dass der Anstieg der CO2 -Werte in der Luft mit dem Wirtschaftswachstum der Industriegesellschaften einhergeht. Seit dann etwas später mittels chemischer Analyse (Isotopenmessung) zweifelsfrei die Quelle des zusätzlichen CO2 in der Luft geklärt wurde, war nachgewiesen, dass dieses CO2 aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas stammt. Soweit zum Schulwissen 7. – 9. Klasse.

Aber es gibt doch immer noch Individuen, die meinen, äußern zu müssen, das sei alles Schwindel, denn die Sonne sei nicht berücksichtigt. Natürlich ist die Sonnenaktivität in den Aussagen der Wissenschaftsgemeinde zum Klimawandel berücksichtigt und nicht nur der elfjährige Sonnenaktivitätszyklus, sondern noch die vielen anderen Sonnenzyklen, die mit diesem überlappen.

Kurzum: Die Erde ist eine Kugel, das wissen mittlerweile alle. Der Klimawandel wird sich weiter verschärfen und ist mit etwa 70 Prozent vom Menschen verursacht. Das weiß zumindest einer aus Vetschau noch nicht. Tatsächlich gehören 30 Prozent in das Reich der Natur, wo wir noch nicht Einfluss nehmen können z.B. Erdbahnparameter, geothermische Vorgänge im Erdinnern oder eben die zyklische Aktivität der Sonne.

Noch einmal, weil es noch nicht alle wissen: Der Klimawandel findet statt, gefährdet das Überleben unserer nachfolgenden Generationen und wir können den menschengemachten Anteil daran stoppen oder abbremsen, in dem wir den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid stoppen oder abbremsen.

Ich werde jetzt nicht das Buch empfehlen, das ich vor drei Jahren dazu veröffentlicht habe, denn dann heißt es, „die will nur ihr Buch verkaufen“. Es gibt Duzende anderer Bücher, die in unterschiedlichen Lernniveaus den Klimawandel nachzeichnen. Aber noch etwas für die zum Schluss, die mehr wissen wollen: Der Klimawandel ist Ausdruck dafür, dass wir, die Menschheit, zu viel Energie verbrauchen. Das ist das Etikett unserer Zeit: Energieverschwendung.

Siemens-Chef Joe Kaesers mutige Entscheidung

Kommentar zu Herrn Kaeser Argument, nicht zu der Investorenkonferenz nach Saudi-Arabien zu fahren.

Joe Kaeser CEO of Siemens in Moscow 26 march 2014

Sie ist doch mit Abstand die mutigste Entscheidung der dreien zur Wahl stehenden, die Sie beschreiben. Denn Sie riskieren finanzielle Einbußen, verlorene Aufträge und Kritik aus ihren eigenen Reihen. Doch Sie gewinnen weit mehr Herr Kaeser, als Sie im Moment noch gar nicht ahnen. Unter anderem Glaubwürdigkeit, Eintreten für Werte wie Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit in seinen Positionen und zuletzt gewinnen Sie den Status eines Vorbildes. Alles genau das, was einem Konzern langfristig hilft und ihn bestehen lässt. Aber da langfristiges und verantwortungsvolles Denken und Handeln in der Wirtschaft, der Politik und auch von uns Bürgern häufig dem kurzfristigen, einseitigen Profit- und Statusstreben geopfert wird, ist diese Entscheidung von Ihnen die mutigste! Und Sie werden sehen auch für Siemens UND die Menschen in Saudi Arabien die beste. Weil sie ein Signal, eine Botschaft in die Welt sendet.

„Über die Moral packt man das nicht.“

Konferenz in Berlin „Warum wir nicht tun was wir für richtig halten – Über die Macht tradierten Denkens“
Denkwerk Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung
1. + 2. Oktober 2016

Klimawandel ist ein Problem des kollektiven Handelns und somit ein Koordinierungsproblem. Das erklärte der US amerikanische Philosoph Thomas Pogge in seinem packenden Vortrag über die Hindernisse im Kampf gegen den Klimawandel. Daher kann man das auch nicht über die Moral lösen. Denn viele argumentierten so: ‚ich würde ja gerne etwas dagegen machen, aber die anderen machen das nicht im gleichen Maße mit. Dann verliere ich aber im globalen Wettbewerb.‘ So folgerte der Professor von der Eliteuniversität Yale, dass es nur eine Lösung gibt – eine politische: Die Bürger müssen auf die Politiker Druck ausüben, dass es schließlich zu einer internationalen Übereinkunft kommt und die auch umgesetzt wird.

Das war einer der besten Vorträge meiner Meinung nach. Denn er war auf den Punkt gebracht und in seiner Argumentation schlüssig. Der Reigen war bunt mit den folgenden Vorträgen und eine gute Abwechslung zwischen Sozialwissenschaftlern, Ökonomen, Biologen und Vertretern aus der Wirtschaft. Es war genau die Interdisziplinarität, das Über-den-eigenen-Teller-schauen, was die Klimadiskussion so dringend braucht.

Nachtrag:
„Zum Ende des Jahres 2016 hat das Denkwerk Zukunft seine Tätigkeit eingestellt. Seine Anliegen wurden jedoch durch die Stiftung kulturelle Erneuerung übernommen.“ Zitat Denkwerk Zukunft.

Weitere Informationen zur Stiftung kulturelle Erneuerung: http://www.kulturelleerneuerung.de/

 

It’s the Planet, Stupid! – ist keine Publikumsbeschimpfung

Gespräch in der Reihe Literatur und Politik: „It’s the Planet, Stupid!“
Anja Paumen, Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper, Prof. Dr. Hartmut Graßl
Moderation: Hans Jessen
Hessische Landeszentrale für politische Bildung
7. Juli 2016

Mit einem der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands auf einem Podium zu stehen, ist und bleibt eine besondere Ehre. Prof. Hartmut Graßl, emeritierter Professor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Hamburg und ehemaliger Leiter des Weltklimaforschungsprogramms der Vereinten Nationen ist einer von sieben Interviewten in unserem Buch „It’s the Planet, Stupid“ und hat als Gutachter auch einige Kapitel gelesen. Er kennt sowohl die Erforschung des Menschen gemachten Klimawandels seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren und weiß von den neuesten Ergebnisse der Gegenwart zu berichten.

Mit dem Journalist Hans Jessen stand dem Forum ein langjähriger ARD-Hauptstadt-Korrespondent als Moderator zur Seite. Nach den Eingangsstatements zum Buch und zur Wissenschaft diskutierten wir mit dem Publikum über vertrauenswürdige Quellen, frühkindliche Umweltbildung und politischem Stillstand. Nebenbei verrieten wir auch wie es zum Buchtitel? Hans Jessen nahm uns sofort in Schutz – das Wort „Stupid“ als Dummkopf übersetzt im Titel sei nicht gegen das Publikum gerichtet.

Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung hat die rund zweistündige Veranstaltung aufgezeichnet.

 

 

Schaufenster in die Wissenschaft

4. Potsdamer Tag der Wissenschaften
21. Mai 2016

Der jährliche Potsdamer Tag der Wissenschaften ist ein Schaufenster in die Welt der Hörsäale und Labors. Dann sprechen die Professoren über ihre Arbeit und stellen sich den Fragen der Allgemeinheit. Das tat auch Jan-Heiner Küpper, Professor an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und Mitautor des Buches „It’s the Planet, Stupid!“. In seinem Vortrag ging es um die Frage, wie biotechnologische Verfahren dazu beitragen können, den Kimawandel zu bekämpfen.

Foto: Professor Jan-Heiner Küpper erläutert die Prognosen zum Klimawandel
Quelle: Ralf-Peter Witzmann, Brandenburgische Technische Universität

Im Anschluss daran fasste ich die Ergebnisse unseres gemeinsamen Buches zusammen. Am Klimawandel waren viele interessiert. Wir lernten auch von den Diskussionsbeiträgen der Anwesenden. Es hat großen Spaß gemacht auf so viele Neugierige und Engagierte zu treffen – auf beiden Seiten!

 

Jetzt muss ich bei jedem Streichholz an Kohlendioxid denken!

Lesung in Tenglers Buchhandlung am Senftenberger Marktplatz
12. Februar 2016

Einige Wochen nach der Lesung kam eine Senftenbergerin auf mich zu und sagte: „Jetzt muss ich bei jedem Streichholz an Kohlendioxid denken!“ Sie habe das zum ersten Mal verstanden, wie das geht mit dem Treibhausgas. Um die physikalischen und chemischen Abläufe des Klimawandels verständlicher zu machen, bediene ich mich je nach Gelegenheit einiger kleiner Experimente. Das tat ich auch dieses Mal. Dazu brauche ich nur ein paar Streichhölzer, Zuckerstückchen und einen Frischhaltebeutel. Aber mehr wird nicht verraten… Schauen Sie beim nächsten Mal einfach selbst zu!

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Am Signiertisch ergaben sich noch weitere Gespräche. Aus dem Gesagten merkte ich, dass viele plötzlich die Dimension dieses gigantischen Experimentes erahnten, das der Mensch gerade an der Erde vollzieht. Dieser Vergleich des Klimawandels mit einem Experiment an der Erde stammt übrigens aus dem Jahr 1966 von dem US Forscher Roger Revelle. Es war die Zeit, als die ersten Wissenschaftler begriffen, was der beginnende Klimawandel für die Menschheit bedeutet. Nun sind wir 50 Jahre weiter und viel Zeit ist schon vertan.

Einen Eintrag zur Veranstaltung finden Sie auch auf der Facebook-Seite der Buchhandlung: https://www.facebook.com/tenglers/

„Warum haben Sie ein Buch geschrieben?“

Projekt „Informationen aus erster Hand – Experten gehen in die Schule“
Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg
27. Januar 2016

Eine Doppelstunde im letzten Schuljahr diente der Berufsorientierung. Fragen richteten die 12.-Klässler an mich als Journalistin und Autorin. „Wie kommen Sie als Biologin zur Zeitung und zum Radio?“ „Warum schreiben Sie über den Klimawandel?“ „Wie zuverlässig sind die Nachrichten heute eigentlich?“ „Schreiben die Zeitungen nicht gegenseitig voneinander ab?“ und „Wer ist noch unabhängig?“

Foto: Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg im Winter
Quelle: http://www.gym-sfb.de/fotos/2/104849/bilder/winter-2017/

Eine gesunde Portion Skepsis ist gegenüber allem Gesagten und Geschriebenen angebracht. Allerdings überraschte mich doch das generelle Misstrauen den Medien gegenüber. Es scheint durch das Angebot der Online-Medien und Blogs immer schwerer, vertrauensvolle Quellen zu finden.

Ich berichtete aus meiner Arbeit bei Hörfunk- und Fernsehredaktionen und verschiedenen Zeitungsredaktionen. Die Tatsache, dass ich als Journalistin meine Artikel selbst schreiben konnte und schreiben kann ohne dass mir die Redaktion dazwischenfunkt oder meinen Text politisch korrigiert, war fast schon eine erstaunliche Nachricht.