Das Klimachancenwörterbuch für Laien – Climate ChanCe glossary for laypersons

Heute: Klimaneutralität (climate neutrality)

Was heißt eigentlich Klimaneutralität?

Sind wir neutral gegenüber dem Klima? Oder das Klima gegenüber uns, der Menschheit? Ist es ein Unentschieden zwischen uns und dem Klima?

Foto verändert nach Pixabay.

Das Wort kommt aus der Klimawissenschaft und bedeutet ganz allgemein gesprochen, dass die Temperatur nicht weiter ansteigen wird.

Bei einem Zustand der Klimaneutralität sind CO2-Ausstöße in und CO2-Entnahmen aus der Atmosphäre ausgeglichen.

CO2-Ausstöße oder Emissonen und CO2-Entnahmen halten sich die Waage und damit erhöht sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht weiter. Sie bleibt konstant und damit die durchschnittliche globale Lufttemperatur.

Erläuterung: CO2 = Kohlen(stoff)dioxid. Das wichtigste Treibhausgas, auch Klimagas genannt. Je mehr CO2 in der Luft, desto höher steigt die globale durchschnittliche Lufttemperatur an.

Ergänzung: Der Begriff Netto-Null-CO2-Emissionen oder auf Englisch net-zero-CO2-emissions ist mit dem Begriff Klimaneutralität verwandt.

Der Begriff Netto-Null-CO2-Emissionen hat meist einen kleineren Bezugsrahmen. Er bezieht sich auf einen Staat oder ein Unternehmen, die jeweils für die Berechnung der CO2-Ausstöße und CO2-Entnahmen in definierten Bilanzgrenzen zuständig sind. Die Ein- und Ausgaben werden wie in einer Buchhaltung gegeneinander aufgerechnet und dann innerhalb der Unternehmens- oder Landesgrenzen bilanziert also gegenübergestellt. Netto-Null wäre ein Plus und ein Minus, die sich gegeneinander ausgleichen.

Während der Begriff Klimaneutralität immer auf die globalen CO2-Emissionen und -Entnahmen Bezug nimmt. Deswegen werben manche Hersteller mit klimaneutralen Produkten.

Allerdings sind Begriffe wie „klimaneutrale Schokolade“ oder „klimaneutrales T-Shirt“ schwer bis gar nicht zu überprüfen. Denn dann müssten für alle CO2-Ausstöße, die mit der Produktion des T-Shirts verbunden sind, irgendwo auf der Welt die gleiche Menge an CO2-Entnahmen erfolgt sein. Etwa in Form von CO2-Gutschriften, die wie Entnahmen gerechnet werden, aus zertifizierten Klimaschutzprojekten. Es müssten dann nachweislich CO2-Gutschriften in gleicher Höhe wie die CO2-Ausstöße aus der T-Shirt Produktion gekauft worden sein.

Allerdings ist das Geschäft mit CO2-Gutschriften nicht unabhängig zu kontrollieren. Das heißt, dass CO2-Gutschriften etwa aus Aufforstungsprojekten oft schön gerechnet werden. So viele CO2-Entnahmen, die verkauft werden, sind gar nicht mit der Photosyntheseleistung (Bindung von CO2 aus der Luft durch die Pflanzen) der Bäume erreicht worden. Schon gar nicht lässt sich die Angabe durch uns Käuferinnen und Käufer auf den so genannten „klimaneutralen“ Produkten überprüfen.

Quelle der Information: Weltklimarat, IPCC, Synthesebericht AR 6, 2023.

 

 

 

 

Vom Ende her denken – die Chancen der Kreislaufwirtschaft

Die Vorteile einer Kreislaufwirtschaft im Vergleich zu einer linearen Wirtschaft oder Wegwerfgesellschaft sind sofort einleuchtend. Dennoch entfalten sich die Chancen erst allmählich.

Ein Nachklapp zur ersten Circular Economy Veranstaltung des Handelsblatts vom 6. und 7.2.2024 in Düsseldorf mit dem Untertitel Reverse Thinking.

Pils oder Alt? Kooperation scheint möglich, zumindest war es so auf der Konferenz. Kölner und Düsseldorfer tranken jeweils ihr Bier mit dem Anspruch es sei das Beste.
© Foto Vogt, Handelsblatt CE Veranstaltung

1. Kooperation ist ein Muss

Bei der Konferenz des Handelsblatts zur Circular Economy, Englisch für Kreislaufwirtschaft, beschreiben Unternehmer und Unternehmerinnen, wie sich in ihrem Alltag ein neues Denken entwickelt. Um das Konzept der zirkulären Wertschöpfung umzusetzen, müssen Geschäftspartner und Geschäftspartnerinnen ganz am Anfang und ganz am Ende der Wertschöpfungskette sich vernetzen. Das sind zum einen die Firmen, die die Rohstoffe fördern, um die Vor- und Zulieferprodukte herzustellen. Das sind zum anderen die Firmen, die die Produkte am Ende der Nutzung entsorgen. Wenn diese Prozesse verbunden werden, schließt sich der Kreis.

Was brauchen also diese Partner, welche Potenziale sehen sie, um gemeinsam ein Produkt zu entwickeln, das künftig im Kreis gehalten und wiederverwertet werden kann? Wie muss es gleich zu Anfang entworfen werden und welche Entsorgungsschritte braucht es, um die Wertstoffe darin zu erhalten, statt sie mit dem Produkt zu verbrennen oder auf eine Deponie zu bringen. Kreislaufwirtschaft fördert ein Denken über den eigenen unmittelbaren Tellerrand hinaus.

Veranstaltungsort das Foyer im Redaktionshaus Düsseldorf
© Foto Vogt, Handelsblatt CE Veranstaltung

2. Neue Technologien notwendig

Deutschland ist ein rohstoffarmes Land – bezogen auf fossile Rohstoffe und Metalle für die Energiewende. Aber bezogen auf das Material, was hier in Deutschland verbaut und benutzt wird, ist Deutschland rohstoffreich. Diese Wertstoffe, die sich im Nutzungsumlauf befinden, wie Elektroautos, T-Shirts oder gebrauchte Haushaltsgeräte gilt es als Sekundärrohstoffe zu gewinnen.

Sekundärrohstoffe sind die wiedergewonnenen Rohstoffe, die in einer Kreislaufwirtschaft nun als Werte neu definiert werden. Um sie zu gewinnen, sind neue Technologien für das Sammeln, Rückführen, Sortieren und Recyceln notwendig.  Auch die Digitalisierung wird bei der Kennzeichnung, Zurückverfolgbarkeit und der Neusortierung von werthaltigen Materialien helfen.


Fragen aus dem Publikum
© Foto Vogt, Handelsblatt CE Veranstaltung

3. Regionale Wertschöpfung

Kreislaufwirtschaft macht die eigene Wirtschaft unabhängiger von globalen Lieferketten. Denn die Rohstoffe aus den gebrauchten Produkten werden in neue oder die gleichen Kreisläufe wieder zurückgeführt. Das stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber unsicheren globalen Lieferketten, die zunehmend von Naturkatastrophen und regionalen Kriegen bedroht sind.

Um die Waren länger oder mehrfach zu gebrauchen, können sie an mehrere Kunden und Kundinnen nacheinander vermietet werden. Wenn der erste Nutzer sich für eine neue oder andere Ware entscheidet, gibt er sein Auto oder seine Kaffeemaschine wieder an den Hersteller zurück. Die Ware bleibt im Besitz des Herstellers. Dieser ist dann dafür verantwortlich, die Ware zu reparieren, wieder einzusammeln und zu verwerten. Das erhöht die Kundenbindung und stärkt regionale Firmen, als direkte Servicepartner vor Ort.

Das sind nur einige Chancen, die mit einer Kreislaufwirtschaft verbunden sind. Aber es gibt noch zahlreiche Hindernisse auf dem Weg dahin.

Eine Analyse aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft

Carsten Knobel, Vorstandsvorsitzender von Henkel: „Rezyklate sind heute noch teurer als primärer Kunststoff.“ Primärer Kunststoff wird neu aus Erdöl hergestellt, während sekundärer aus rezyklierten also zurückgeführten Rohstoffen entsteht. Aber heute lässt sich mit Recycling in der chemischen Industrie noch kein Geld verdienen.

Marie-Christine von Hahn, Vize-Präsidentin Corporate Sustainability & External Affairs bei Arubis: „Wir brauchen Planbarkeit. Aber die Preise für CO2, Strom und Gas sind in Deutschland zu volatil“. Rechtliche Vorgaben etwa aus dem geplanten europäischen Lieferkettengesetz umzusetzen, erschwerten zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit wegen hohem Verwaltungsaufwand.

Matthias Steybe
Vice President Corporate Sustainability – Voith
© Foto Vogt, Handelsblatt CE Veranstaltung

Matthias Steybe, Vize-Präsident Corporate Sustainability, Voith, zitiert eine Autorin, Julia Binder, vom IMD – St. Gallen: „To solve a problem, we need to reframe it”. Die Wirtschaft müsse mit neuen Ownership-Modellen reagieren, etwa in dem sie Produkte mehr verleiht statt verkauft.

Dr. Bettina Hoffmann, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, BMUV, kündigt die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NWKS) der Bundesregierung an. Sie soll ab dem Sommer 2024 den Akteuren einen Rahmen und damit auch Verlässlichkeit geben.

Sybille Gabler, Mitglied der Geschäftsführung des Deutschen Instituts für Normung, DIN, erklärt, dass die Industrie auf politische Rahmensetzungen mit neuen Standards reagiert und das geschieht gemeindam mit dem DIN. Aber das braucht klare Vorgaben. „Normen sind dafür da, um Vertrauen zu schaffen, in dem Vergleichbarkeit hergestellt wird.“

Herwart Wilms
Geschäftsführer – REMONDIS Sustainable Services
© Foto Vogt, Handelsblatt CE Veranstaltung

Herwart Wilms, Geschäftsführer von REMONDIS, Sustainable Services: „Wir brauchen einen Preis von 180,-€ pro Tonne CO2. Dann regelt sich das von allein.“ Der Vorteil einer regenerativen Wirtschaft sei, dass man vom aufnehmenden System her denken müsse. Oder anders gesagt, vom Ende her denken. Denn eine Kreislaufwirtschaft beginne mit dem Design der Produkte. Genau darauf bezog sich auch der Untertitel Reverse Thinking der Konferenz. Das Denken dreht sich um!

Auf die Frage, was denn der Anreiz sei, diese gigantischen Investitionen und Neu-Organisationen innerhalb der Wirtschaft nun anzugehen, antwortet Herwart Wilms: „Ganz einfach. Entweder das Unternehmen hat bis 2045 ein klimaneutrales Geschäftsmodell, oder das Unternehmen hat keines mehr.“

Denn bis 2045 will die Bundesrepublik eine klimaneutrale Wirtschaft sein. Das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 ist im deutschen Klimaschutzgesetz verankert.

Programm Cirular Economy Handelsblatt 2024 Reverse Thinking

Herr Kanzler, bitte Schiene vor Straße!

Warum gestatten Sie es, Herr Bundeskanzler, dass Autobahnen neu gebaut werden, auch sogenannte Teilstücke, wenn doch diese Infrastrukturmaßnahmen heute gesamtgesellschaftlich und langfristig mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen?

Am 7.3 2023, einen Tag vor dem internationalen Frauentag, war Bundeskanzler Olaf Scholz in Cottbus zum Kanzlergespräch. Meine Frage übereichte ich ihm schriftlich mit meinem Buch als Geschenk im Anschluss an die Gesprächsrunde.

Im Buch „Projekt Klimaschutz – Was jetzt geschehen muss, um noch die Kurve zu kriegen“, S. 285-288, führe ich u.a. aus, dass so gut wie jeder Autobahnneubau in der Summe mehr Kosten für die Gesellschaft verursacht als Nutzen bringt. Nutzen haben – wenn überhaupt – nur wenigen Anrainer oder Unternehmerinnen und das auch nur vorübergehend.

Kanzler Olaf Scholz erhält mein Buch als Geschenk

Ich begrüße technischen Fortschritt, wo er vorwärtsgewandt ist und sich den neuen Umweltbedingungen stellt und Probleme wie den Klimawandel, Armut und Ungleichheit lösen hilft. Maßnahmen aus einer alten Gewohnheit heraus als technischen Fortschritt zu definieren unter heute völlig veränderten Rahmenbedingungen ist bestenfalls unnötig aber meistens schädlich, Geldverschwendung und Gemeinwohlvernichtung.

Die Bundesregierung hat von 2018 – 2020 insgesamt sieben Mrd. Euro für den Bau neuer Autobahnen investiert und im gleichen Zeitraum 148 Mio. Euro für neue Radwege (Quarks-Sendung, WDR, 2.3.2023). Die jährlich anfallenden Instandhaltungskosten für das Autobahnnetz in Deutschland belaufen sich auf etwa noch einmal die gleiche Summe bzw. ein Vielfaches davon.

Wir leisten uns ein Autobahnnetz, das überdimensioniert ist, und uns viel zu viel kostet. Gleichzeitig betreiben wir ein Schienennetz, das sowohl vom Ausbau wie von der Zuverlässigkeit den Ansprüchen einer modernen Volkswirtschaft im 21. Jahrhundert in keiner Weise gerecht wird. Wir werden dafür schon verlacht in der Welt.

Denn es müsste genau umgekehrt sein: Schiene vor Straße!

Jede neue Straße (ob Autobahnstrecke, Umgehungsstraße, Bundes- und Landstraße), genau wie jede Fahrbahnerweiterung verursachen tatsächlich mehr Verkehr statt ihn – wie gehofft – zu reduzieren. Das ist heute in den Planungs- und Ingenieurbüros Standardwissen. Um Staus zu vermeiden und Verkehr zu reduzieren, müssen Verkehrsleitplanungen mit intelligenten Steuerungen installiert werden, das sind etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverbote für Lkw, schmale Straßen mit Verkehrsinseln und anderen „Raser“-Hindernissen. Nur gleichmäßig fließender Verkehr verhindert Staus und schwere Verkehrsunfälle.

Durch Lärm, Erschütterung, Reifenabrieb, Stickoxide und andere Abgase, ganz zu schweigen von den Treibhausgasen, entstehen der Gesellschaft hohe Kosten heute und morgen in Form von Gesundheits- und Umweltschäden, Wertverlust von Immobilien und gestressten Anwohner*innen. Von den negativen Folgen für die Tiere und Pflanzen ganz zu schweigen. Für Tiere bedeuten die Beton- und Lärmschneisen unüberwindbare Hindernisse, um zu wandern, Nahrung zu suchen oder sich zu paaren.

Wir brauchen neue Infrastrukturen nicht aus Teer, Beton und Asphalt, sondern aus Kupfer- und Glasfaserkabel und Wasserstoff-ready Leitungen. Auch Elektroautos sind nicht die neue Individualmobilität, die wir brauchen. Sondern ein Verkehrskonzept beruhend auf ÖPNV, smarten Quartieren mit kurzen Wegstrecken sowie einem regionalen, naturnahen Tourismus, der Wertschöpfung im Land hält.

Brandenburger Tagebausee

Die heimische Natur ist neben uns Menschen der größte Wert unseres Landes. Wollen wir den Wohlstand halten, müssen wir unsere Ressourcen schonen und sinnvoll nutzen. Wie? Wälder mit klimaverträglichen Gehölzen umbauen, intelligent Wasser nutzen und sparen, Brandenburger Tagebauseen verkleinern, größere Naturräume erhalten und wieder zusammenführen und – wo es geht – Autobahnen zurückbauen. Also das genaue Gegenteil von dem, was in der Planung ist!

Morgendämmerung – ein Kommentar für Lausitzwelle TV und Wochenkurier

Wenn einmal der Bundeskanzler in die Lausitz kommt und mit den Bügerinnen und Bürgern das Gespräch sucht, dann möchte man sich schon vorbereiten. Die zufällig ausgelosten Gäste hatten ihre Frage an den Kanzler häufig auf einen Zettel geschrieben und lasen ab. Das wirkte sympathisch. Wie auch der Regierungschef selbst sympathisch und zugewandt wirkte und keiner Frage auswich.

Die Lausitz hat gute Chancen auf Wirtschaftswachstum, erklärte Olaf Scholz – mehr noch als andere Regionen. Es schien als hätte sich seine optimistische Sicht im Saal verbreitet und duldete keinen Widerspruch. Denn vom Publikum gab es kein Wort zu dem sonst heiß und immer wieder heftig diskutierten Thema eines möglichen früheren Kohleausstiegs.

Mein Kommentar dazu

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Kanzlergespräch in der Lausitz

Am 7. März weilte der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz in Cottbus. Er absolvierte ein ganztägiges Programm in der Stadt mit Besuchen bei Handwerker*innen, in einem Frauenzentrum und dem Rathaus. Zuletzt stellte sich der deutsche Regierungschef den Fragen der Bürgerinnen und Bürgern aus Cottbus und der Region. 150 Gäste waren ausgelost worden, rund 400 hatten sich um einen Platz beworben.

Die Medien waren da und notierten genau welche Fragen die Menschen dem Kanzler vis-à-vis stellen wollten.

Kanzler Scholz stellt sich dem Publikum Quelle Video Bundesregierung

Natürlich war es Zufall, wer nun an die Reihe kam und sich vorstellen und dann seine Fragen an den Kanzler richten durfte. Die Moderatorin Juliane Sönnichsen hatte die Auswahl und nahm geschätzt etwas mehr Frauen als Männer dran. Leider keine aus der Generation der unter Zwanzigjährigen, weil die fast nicht vertreten waren.

Die meisten Fragen kamen aus dem Bereich Rente und Ärzteversorgung. Eine zur Ukraine und die behandelte der Kanzler dann so ausführlich, dass nur eine weitere zu dem Komplex folgten, wobei es da aber nicht um die generelle Ausrichtung der Bundesregierung ging sondern eher darum, ob unsere Wirtschaft mehr und mehr auf Rüstung umstellen würde. Ja – zwangsläufig, war die Antwort. Manche Fragestellerin nahm viel Raum ein und beschwerte sich als Kommunalpolitikerin von zu wenig Unterstützung aus der Bundespolitik, was auch immer sie damit meinte, blieb für mich zumindest offen. Mehr Geld? Mehr Besuche in der Stadtverordnetenversammlung oder auf den Marktplätzen?

Es ist sowieso erstaunlich, dass bei dem Terminkalender des Kanzlers, diese Bürgergespräche nicht unter den Tisch fallen. Mehrere Fragen betrafen die Ungerechtigkeit zwischen der Absicherung im Alter zwischen Beamt*innen und Rentner*innen. „Da müssen Sie sich bei Bismarck beschweren“, läutete Olaf Scholz seine Antwort ein. Aber eine generelle Änderung dieser Zweiteilung in der Altersabsicherung sei nicht geplant. Kritik zum Ärztemangel konnte er mit gleich mehreren Hinweisen auf die geplante Einrichtung einer Universitätsmedizin in Cottbus leicht abräumen.

Aufmerksame Zuhörer*innen Anja Paumen, Rüdiger Albert
Quelle Video Bundesregierung

Einige Fragen kamen auch aus dem sozialen Bereich, wie Kindergrundsicherung oder Leistungen des Arbeitsamtes. Eine Bürgerin, die selbst in dem Bereich der Leistungszuteilungen arbeitet, mahnte, dass ihrer Meinung nach die Eigenverantwortung bei einigen Mitbürger*innen verlorengehe, wenn es doch so einfach ist, sich finanzielle Unterstützung vom Staat zu holen. Die Antwort von Olaf Scholz war, es könne auch einmal passieren, dass sie selbst darauf angewiesen wäre und für solche Fälle wären die Hilfen des Staates. Sie sollten jeden Einzelnen wieder in die Lage versetzen, schließlich wieder für sich selbst zu sorgen.

EINE, tatsächlich eine einzige kam aus dem Themenbereich Umwelt- und Klimaschutz. Es ging um den Kiesabbau in Mühlberg, einer Gemeinde in Elber-Elster. Die Bewohnerin sagte, man sei mittlerweile eingekreist vom der Kiesgrube und sie solle noch erweitert werden. Die Antwort des Kanzlers: „Wenn Ihre Tochter eine neue Wohnung bezieht, dann muss der Kies irgendwo herkommen.“ Das war nicht befriedigend für die Bürgerin, wie sie später sagte. Aber der Kanzler hatte da meiner Meinung nach den Finger in die Wunde gelegt. Unsere Ansprüche an ein gutes Leben stehen auf der einen Seite und auf der anderen Seite, die Umweltschäden, die mit der Befriedigung dieser Wünsche zwangsläufig entstehen.

Das Kanzlergespräch in Cottbus war das sechste dieser Art der neuen Bundesregierung. Zuvor war er u.a. in Marburg, Essen und Gifhorn. Pro Bundesland gibt es eines dieser Art. Alle Kanzlergespräche werden von der Bundesregierung auf der Internetseite zum Nachschauen angeboten. Dasjenige aus Cottbus in voller Länge von rund 1,5 Stunden ist hier verlinkt.

Kleiner blauer Ball – ein Kommentar für Lausitzwelle TV und Wochenkurier

Um die größte Krise der Menschheit zu bewältigen, treffen sich unter anderem Politiker auf verschiedenen Konferenzen, um gemeinsame Wege auszuloten. Die jährichen Klimakonferenzen fallen da heraus, weil hier nicht nur Politiker sondern auch Wissenschaftler*innen und Verterter*innen aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammenkommen, wie Wirtschaft, Naturschutzverbänden, Klimaaktivist*innen und auch Menschen, die in ländlichen Räumen in Entwicklungs- oder Schwellenländern leben. Heute nennt man diese Länder auch der globale Süden. Das heißt, indigene Volksgruppen sind vertreten und erheben ihre Stimme für den Schutz ihrer natürlichen Heimat.

Die diesjährige Klimakonferenz, abgekürzt COP27, fand zwei Wochen im ägyptischen Sharm el Sheik statt. Die Ergebnisse waren sehr mau. Es gab einige Erfolge wie der Beschluss zum Einrichten eines Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste (Loss and Damage) im globalen Süden. Aber große Schritte hin zu einer schnelleren Transformation, also Umwandlung unserer Wirtschafts- und Lebensweise zu einer, die mit immer weniger fossilen Energieträgern wie Öl, Erdgas und Kohle auskommt, sind ausgeblieben. Deswegen wäre es gut, wenn die Herangehensweise der Verhandler*innen auf den künftigen Klimakonferenzen und auch sonstigen Gipfeln in der Weltpolitik eine neue wäre. Eine, die dem Problem gerecht wird. Dazu hilft ein Blick in den Weltall oder noch besser ein Blick von dort auf unsere kleine blaue Erde.

Mein Kommentar:

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Kleiner blauer Ball - ein Kommentar für Lausitzwelle TV und Wochenkurier

Kind mit dem Bade – ein Kommentar für Lausitzwelle TV und Wochenkurier

Energiekrise ist die akute Krise – die Klimakrise ist die bereits bestehende Energiekrise, also die chronische Energiekrise. Warum? Weil durch unsere Art der Energiegewinnung erst so viele Treibhausgase vor allem Kohlenstoffdioxid, CO2, in die Luft entlassen, also ausgestoßen werden, dass sich die Lufttemperatur erhöht. Das ist eine Krise, weil durch steigende Temperaturen, die Lebensbedingungen auf der ERde sich in der Summe zum Schlechteren entwickeln. Anders gesagt: Das Überleben für die Menschheit insgesamt wird unter einer wärmeren Atmosphäre schwieriger. Daher ist es richtig, die jetzige Energiekrise zu bekämpfen. Aber die Mittel müssen so gewählt werden, dass die langanhaltende Energiekrise, der Klimawandel, nicht weiter befeuert oder angeheizt wird. Deswegen: Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten – sondern die Mittel zum Zweck klug und verantwortungsbewusst wählen.

Mein Kommentar:

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Kind mit dem Bade - ein Kommentar für Lausitzwelle TV und Wochenkurier

Weg frei für Wasserstoff

Die Lausitz-Länder wollen beim Hype-Thema groß einsteigen. Allerdings hat Brandenburg für den digitalen Wasserstoff-Marktplatz einen anderen Partner gewählt. 

von Anja Paumen

Foto Pixabay

Beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft haben diejenigen ein gutes Blatt, die große Windparks und Photovoltaik-Flächen in der Nachbarschaft haben. Absolute Joker im Spiel sind geplante Anbindungen an ein künftiges Wasserstoff-Leitungsnetz.

Angebot und Nachfrage von Wasserstoff müssen schneller zueinander finden. Denn der Energieträger H2, wird dringend für den Ersatz fossiler Brennstoffe gebraucht, die CO2 ausstoßen. Für dieses Ziel sind die Lausitz-Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und Martin Dulig (beide SPD) in Brandenburg und Sachsen landauf landab unterwegs. Kürzlich hat Steinbach mit seinem Berliner Amtskollegen, dem Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos), ein neues digitales Werkzeug vorgestellt. Der Wasserstoffmarktplatz Berlin-Brandenburg ist erst einmal eine Website.

Als eine „eine Mischung aus Partnerbörse und Ebay Kleinanzeigen“ beschreibt Oliver Arnhold, Geschäftsführer von Localiser RLI, das Online-Tool. Das Softwareunternehmen hat die Website im Unterauftrag des Reiner Lemoine Institut entwickelt und betreibt sie. Jeder kann sich kostenfrei anmelden, der in der Metropolregion Berlin und Brandenburg ins Wasserstoff-Geschäft einsteigen will. Damit setzt Brandenburg eine wichtige Maßnahme seiner Ende 2021 beschlossenen Wasserstoffstrategie um.

Den kompletten Artikel findet ihr im Briefing von Neue Lausitz vom 3.5.2022.

Ab Mai ist das Angebot von NeueLausitz.com kostenpflichtig. Weitere Infos auf der Website.


Die Kohlefirmen und der Ausstieg – Artikel in Neue Lausitz

Steigende Energiepreise, unsichere Gasimporte und gekappte Geschäftskontakte nach Russland. Für den Kohle-Mittelstand der Lausitz sind das nicht mal die größten Herausforderungen der letzten Jahre. Auf ihrem Branchentreffen ging es um Lösungen, die durchaus überraschen.

Von Anja Paumen

Foto Pixabay

Nach Jahren der Transformation sehen
die Firmen der Kohle-Peripherie Licht am
Ende des Kühlturms. Doch der Weg in
neue Geschäftsfelder ist durch den
Ukrainekrieg unsicher geworden.

Auf dem Online-Treffen der Lausitzer Braunkohle-Branche war kürzlich kein Wehklagen zu hören. Stattdessen wurden mit Zuversicht die neuen Geschäftsmodelle präsentiert, auf denen die Unternehmen der Bergbau-, Kraftwerks- und Sanierungsbranche unterwegs sind. Von Aufbruchsstimmung sprach der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg, Sebastian Saule. „Die Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht, ihre Abhängigkeit von der Braunkohle als ihren Arbeitgeber zu verringern.“ Das ist auch nötig.

Den kompletten Artikel findet ihr im Briefing von Neue Lausitz vom 29.8.2022.

Ein Anmeldeformular für ein Abo des Briefings ist gleich unterhalb des Artikels.


Brandenburgs Charmeoffensive mit KI – Artikel in Neue Lausitz

Brandenburgs Unternehmen sind bei Künstlicher Intelligenz zu ängstlich. Das will die Landesregierung ändern. Doch was bringt die Hype-Technologie der Lausitzer Wirtschaft wirklich?

Von Anja Paumen

Foto: Pixabay

Die Angst vor KI ist groß in den Lausitzer
Unternehmen. Doch Studien zeigen: Nicht
die Anzahl der Jobs wird sich durch KI
ändern, sondern die Aufgaben.

Bei der Erforschung von Künstlicher Intelligenz ist Deutschland mit an der Weltspitze – aber bei der Anwendung hinkt man hinterher, sagt Matthias Wolff. Der Informatik-Professor ist Kopf des Lausitzer Zentrums für Künstliche Intelligenz (LZKI), einem Forschungsverbund an der Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg mit rund 30 Gründungsmitgliedern.

Die Crème der Lausitzer IT-Forschung hat sich darin zusammengefunden. Neben Wissenschaftlern der BTU kommen weitere aus zwei Fraunhofer-Instituten in Cottbus und einem Leibniz-Institut in Frankfurt (Oder) dazu. Sie haben zusammen für mehrere Projekte Strukturmittel beantragt. „Wir brauchen eine zündfähige Masse“, sagt Wolff. „Das können unsere Lehrstühle an der BTU allein nicht leisten.“

Den kompletten Artikel findet ihr im siebten Briefing von Neue Lausitz vom 8.3.2022.