Europa – weiterhin heiß und trocken?

Auswirkungen des Klimawandels auf Europa

Mein Vortrag in der Volkshochschule Regensburg am 7. Juni 2022

In dem schönen Veranstaltungsort, dem Leeren Beutel, mitten in der Regensburger Altstadt unweit der Donau, fand der Vortrag mit anschließender reger Diskussion statt.

Vor dem Vortrag, Leerer Beutel, Veranstaltungsort Regensburg, 7.6.2022. Foto: EMJ

Meine take-home message gleich vorweg:

Jedes Zehntel-Grad Erwärmung zählt – anders gesagt: Jedes Zehntel-Grad mehr oder weniger macht einen Unterschied.

Ob wir nun das 1,5°C-Ziel noch halten können oder die magische Marke von Paris, dem Pariser Klimaschutz Übereinkommen, reißen und uns dann anstrengen müssen, die Temperaturen wieder herunterzubringen, oder ob wir dauerhaft über 1,5°C bleiben werden… So oder so: Auf dem Weg zur Begrenzung der Erderwärmung kommt es auf jedes Zehntel-Grad an. Jedes Zehntel-Grad mehr oder weniger macht einen Unterschied.

Es lohnt sich also zu jeder Zeit, die Emissionen zu begrenzen. Jede Verminderung der Treibhausgasausstöße bringt einen Beitrag zum Klimaschutz.

Mein Vortrag gehörte zu einer Reihe von drei Fachverträgen, die die Auswirkungen des Klimawandels aus unterschiedlicher Perspektive untersuchten. Programm vhs Regensburg im Juni 2022

Die Meteorologen Karsten Schwanke und Andreas Walter zeigten jeweils die Folgen für die Welt und für Deutschland und ich die für Europa auf.

Europas neues Klima

Europa – der bevorzugte Kontinent. Warum? Wegen seiner günstigen klimatischen Bedingungen. Aber wie lange noch? Abb.: Europäische Energieagentur, EEA.

Die Auswirkungen für Europa sind erst einmal die gleichen wie für die Welt. Es wird auch in Europa heißer, trockener und mancherorts zu bestimmten Jahreszeiten auch feuchter. Die Niederschläge kommen aber meist nicht wie bisher gleichmäßig über das Jahr verteilt und je nach dem mal schwächer oder stärker. Nein, die Niederschläge der Zukunft sind tendenziell unvorhersehbarer, ungleichmäßiger und pro Ereignis deutlich heftiger als bisher. Heftige kurze Starkregenfälle auf ausgetrockneten Böden können dann mehr Schaden anrichten als helfen. Das Wasser sickert dann nicht mehr allmählich in den Boden und sammelt sich als Grundwasser, sondern es fließt häufig schnell in die Kanalisation ab oder reißt möglicherweise sogar noch fruchtbare Erde mit sich. Oder die Regenfluten lassen Flüsse in kürzester Zeit zu reißenden Wasserfällen werden, die alles, was sich ihnen in den Weg stellt, wegspülen. So geschah es bei der Flutkatastrophe im Südwesten Deutschlands 2021.

22.07.2021, Rheinland-Pfalz, Insul: Aufräumungsarbeiten werden in der Gemeinde Insul im Ahrtal fortgesetzt. Das Hochwasser der Ahr hat in dem Ort große Schäden hinterlassen. Foto: Thomas Frey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Es regnet wie aus Kübeln

Kurzer Überblick: In manchen Teilen West-Zentral- und Osteuropas und vor allem in Nordeuropa wird es zu bestimmtem Jahreszeiten mehr Regen geben. Aber wie gesagt, es regnet dann häufig wie aus Kübeln und das erhöht das Risiko von Überschwemmungen. Für Südeuropa und den Mittelmeerraum wird hingegen die Trockenheit zu einem immer größeren Problem. Mit weiter steigenden Emissionen und Temperaturen werden Trockenheit und Hitze auch Mittel- und Osteuropa schwer belasten. Eines von weiteren Risiken für Europa ist der weiter voranschreitende Meeresspiegelanstieg. Besonders stark wird der Mittelmeerraum betroffen sein, so dass Küstenstreifen womöglicherweise auf Dauer nicht mehr bewohnbar sind.

Bereits heute mit einer globalen Erwärmung von im Durchschnitt 1,1° sind die Auswirkungen deutlich aber in der Welt unterschiedlich ausgeprägt, was die dreiteilige Reihe der Volkshochschule Regensburg sehr gut widergibt. Tendenziell ist Europa und damit auch Deutschland von den steigenden Temperaturen stärker betroffen. Denn je nördlicher eine Region auf der Erdkugel liegt, desto schneller erwärmt sie sich im weltweiten Vergleich. Das zeigt die Abbildung aus dem aktuellen Bericht des Weltklimarats sehr gut.

Europa erwärmt sich schneller

Die weltweiten Temperaturveränderungen bei einer allgmeinen Erwärmung von durchschnittlich einem Grad.
Abb. (Ausschnitt): Weltklimarat

Abbildung aus dem aktuellen Bericht des Weltklimarats, IPCC, erster Berichtsteil vom August 2021: AR 6, WG I, SPM, Fig. 5 (Ausschnitt).

Je intensiver die Rotfärbung auf der Abbildung desto größer die Temperaturerhöhung. Bei heutigen 1,1° oder wie auf dem Bild gezeigt 1° weltweiter Erwärmung ist es in Teilen Europas wie etwa in Deutschland schon 1,6° wärmer als noch vor 100 Jahren.

Die Temperaturen lassen die Eisflächen weltweit schmelzen. Manche schmelzen für immer und bilden sich nicht wieder neu. Davon sind auch die Gletscher der Alpen betroffen. Bis 2100, so zeigen es Computerberechnungen, werden die europäischen Gletscher zwischen 60 – 90 Prozent ihrer Eismasse vom Stand des Jahres 2015 verlieren. Nur eine Reduktion der Treibhausgase und damit eine Begrenzung der Erwärmung würde diese Entwicklung stoppen.

Jedes Zehntel-Grad zählt

Das bedeutet genau das, was ich als zentrale Botschaft formuliere: Jedes Zehntel-Grad Erwärmung macht einen Unterschied.

Während des Vortrages kam ich immer wieder auf die zentrale Botschaft zurück. Ich habe sie auch als Bild-Botschaft gezeigt. Foto: EMJ

Es gibt sehr viel, was wir in Europa tun können. Die Maßnahmen sind unzählige, hier nur ein paar wenige genannt: Effektive Klimaschutzpolitik, die Anreize setzt, Emissionen zu vermeiden. Eine Wirtschaft, die mutig ist und auf moderne klimafreundliche Technologien setzt. Eine Banken- und Investorengemeinschaft, die Geld dorthin fließen lässt, wo Investitionen für klimaschonende Projekte schon möglich sind – also jetzt schon (fast) überall. Eine Gesellschaft, die sich neu erfindet und liebgewonnene Gewohnheiten aufgeben kann und alternative Lebensweisen als Chance sieht.

Als Biologin ist es mir wichtig, die besondere Rolle der Natur für den Klimaschutz hervorzuheben. Die so genannten Ökosystemdienstleistungen, die ich auch in meinem zweiten Buch extra betone, sind für uns Menschen im Kampf gegen den Klimawandel eine sehr wirksame Verteidigungswaffe. Somit ist die Natur unsere Verbündete, um die Erwärmung abzuschwächen und schließlich zu begrenzen. Deswegen müssen wir Natur schützen, sie für uns im Sinne der Aufnahme von Kohlendioxid arbeiten lassen, sie zum Schutz vor Austrocknung und vor Überschwemmungen und für die Sicherung unsere Nahrungsmittelproduktion klug einsetzen oder sie einfach nur erhalten.

Die Natur ist unsere Verbündete

Natur in die Stadt holen. Wie hier in Düsseldorf mit Hainbuchhecken an einer Gebäudefassade, dem Kö-Bogen II. Foto: Anja Paumen
Natur außerhalb der Stadt schützen und Reservate schaffen. Blick vom Königsstuhl im Westen des Naturparks Neckartal-Odenwald auf Heidelberg. Foto: Anja Paumen

Natur schützen, in der Stadt, außerhalb der Stadt und vor allem da, wo sie noch in einem mehr oder weniger natürlichem Zustand ist. Gesunde Natur, die sich selbst erneuern, reparieren und säubern kann, ist das Pfund in unseren Händen.

Zum Ende noch ein entscheidendes Zitat aus dem 2. Berichtsteil vom Februar 2022 des Weltklimarats: IPCC, AR 6, WG II, Folgen, Anpassung, SPM, Feb. 2022.

Die angehäufte wissenschaftliche Basis zeigt eindeutig: Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das menschliche Wohlergehen und die planetare Gesundheit. Jedes weitere Aufschieben von engagierten, vorausschauenden und weltweit abgestimmten Maßnahmen, um sich anzupassen und gleichzeitig die Emissionen zu senken, wird das Fenster der Gelegenheit schließen, eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle zu sichern. 

Wie gesagt…. Genau Sie wissen es schon: Denn jedes Zehntel-Grad Erwärmung zählt.

Regensburg – vielen Dank für diesen schönen Abend und den intensiven Austausch!

Regensburg, Haidplatz mit dem Wehrturm Karl des Großen. Foto: Anja Paumen

Ich habe mich sehr gefreut in dem Veranstaltungsgrogramm zum Thema Klimawandel mit den Experten Karsten Schwanke, Wettermoderator bei der ARD und Andreas Walter, Wetterkundler vom Deutschen Wetterdienst, die neuen, wissenschaftlichen Erkenntnisse zu präsentieren.

Mein Dank gilt der Stadt Regensburg, Amt für Weiterbildung, Volkshochschule und dem Förderverein der Volkshochschule für die Idee, die Vorbereitung und Umsetzung des Programms.

Weg frei für Wasserstoff

Die Lausitz-Länder wollen beim Hype-Thema groß einsteigen. Allerdings hat Brandenburg für den digitalen Wasserstoff-Marktplatz einen anderen Partner gewählt. 

von Anja Paumen

Foto Pixabay

Beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft haben diejenigen ein gutes Blatt, die große Windparks und Photovoltaik-Flächen in der Nachbarschaft haben. Absolute Joker im Spiel sind geplante Anbindungen an ein künftiges Wasserstoff-Leitungsnetz.

Angebot und Nachfrage von Wasserstoff müssen schneller zueinander finden. Denn der Energieträger H2, wird dringend für den Ersatz fossiler Brennstoffe gebraucht, die CO2 ausstoßen. Für dieses Ziel sind die Lausitz-Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und Martin Dulig (beide SPD) in Brandenburg und Sachsen landauf landab unterwegs. Kürzlich hat Steinbach mit seinem Berliner Amtskollegen, dem Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos), ein neues digitales Werkzeug vorgestellt. Der Wasserstoffmarktplatz Berlin-Brandenburg ist erst einmal eine Website.

Als eine „eine Mischung aus Partnerbörse und Ebay Kleinanzeigen“ beschreibt Oliver Arnhold, Geschäftsführer von Localiser RLI, das Online-Tool. Das Softwareunternehmen hat die Website im Unterauftrag des Reiner Lemoine Institut entwickelt und betreibt sie. Jeder kann sich kostenfrei anmelden, der in der Metropolregion Berlin und Brandenburg ins Wasserstoff-Geschäft einsteigen will. Damit setzt Brandenburg eine wichtige Maßnahme seiner Ende 2021 beschlossenen Wasserstoffstrategie um.

Den kompletten Artikel findet ihr im Briefing von Neue Lausitz vom 3.5.2022.

Ab Mai ist das Angebot von NeueLausitz.com kostenpflichtig. Weitere Infos auf der Website.


Die Kohlefirmen und der Ausstieg – Artikel in Neue Lausitz

Steigende Energiepreise, unsichere Gasimporte und gekappte Geschäftskontakte nach Russland. Für den Kohle-Mittelstand der Lausitz sind das nicht mal die größten Herausforderungen der letzten Jahre. Auf ihrem Branchentreffen ging es um Lösungen, die durchaus überraschen.

Von Anja Paumen

Foto Pixabay

Nach Jahren der Transformation sehen
die Firmen der Kohle-Peripherie Licht am
Ende des Kühlturms. Doch der Weg in
neue Geschäftsfelder ist durch den
Ukrainekrieg unsicher geworden.

Auf dem Online-Treffen der Lausitzer Braunkohle-Branche war kürzlich kein Wehklagen zu hören. Stattdessen wurden mit Zuversicht die neuen Geschäftsmodelle präsentiert, auf denen die Unternehmen der Bergbau-, Kraftwerks- und Sanierungsbranche unterwegs sind. Von Aufbruchsstimmung sprach der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg, Sebastian Saule. „Die Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht, ihre Abhängigkeit von der Braunkohle als ihren Arbeitgeber zu verringern.“ Das ist auch nötig.

Den kompletten Artikel findet ihr im Briefing von Neue Lausitz vom 29.8.2022.

Ein Anmeldeformular für ein Abo des Briefings ist gleich unterhalb des Artikels.


Brandenburgs Charmeoffensive mit KI – Artikel in Neue Lausitz

Brandenburgs Unternehmen sind bei Künstlicher Intelligenz zu ängstlich. Das will die Landesregierung ändern. Doch was bringt die Hype-Technologie der Lausitzer Wirtschaft wirklich?

Von Anja Paumen

Foto: Pixabay

Die Angst vor KI ist groß in den Lausitzer
Unternehmen. Doch Studien zeigen: Nicht
die Anzahl der Jobs wird sich durch KI
ändern, sondern die Aufgaben.

Bei der Erforschung von Künstlicher Intelligenz ist Deutschland mit an der Weltspitze – aber bei der Anwendung hinkt man hinterher, sagt Matthias Wolff. Der Informatik-Professor ist Kopf des Lausitzer Zentrums für Künstliche Intelligenz (LZKI), einem Forschungsverbund an der Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg mit rund 30 Gründungsmitgliedern.

Die Crème der Lausitzer IT-Forschung hat sich darin zusammengefunden. Neben Wissenschaftlern der BTU kommen weitere aus zwei Fraunhofer-Instituten in Cottbus und einem Leibniz-Institut in Frankfurt (Oder) dazu. Sie haben zusammen für mehrere Projekte Strukturmittel beantragt. „Wir brauchen eine zündfähige Masse“, sagt Wolff. „Das können unsere Lehrstühle an der BTU allein nicht leisten.“

Den kompletten Artikel findet ihr im siebten Briefing von Neue Lausitz vom 8.3.2022.


Nord Stream 2 und die Lausitz – Artikel in Neue Lausitz

Um von der Kohle loszukommen, setzt die Lausitzer Energiewirtschaft zunehmend auf Gas. Einen heimischen fossilen Rohstoff gegen einen importierten auszutauschen, ist ohnehin umstritten. Aber was, wenn der Ukraine-Konflikt einen Strich durch diese Pläne macht?

Von Anja Paumen

Foto: Pixabay

Die Zukunftserzählung der Energieregion Lausitz kommt bis auf Weiteres nicht ohne Gas aus. Deshalb prüft Brandenburg den Bau einer Pipeline von der Ostsee bis zu den Lausitzer Kraftwerken. Das Hybridkraftwerk der Leag in Jänschwalde wäre ohne diesen Anschluss nicht denkbar.

Die Konfrontation an der ukrainisch-russischen Grenze gefährdet nicht nur den Frieden in Europa. Sie hat auch direkte wirtschaftliche Effekte für die Lausitz. Deutschland bezieht rund 60 Prozent seiner Erdgasimporte aus Russland. Bei einer weiteren Eskalation kann es neben anderen Folgen auch zu Lieferengpässen kommen. Die Pipeline Nord Stream 2  könnte endgültig auf Eis gelegt werden. Für die Lausitz und den Strukturwandel hätte das unübersehbare Folgen – denn der Weg aus der Braunkohle führt über das Gas.

Etliche Leuchtturm-Projekte der Lausitzer Energiewirtschaft sind zunächst angewiesen auf den importierten fossilen Energieträger aus dem Osten. Ganz konkret rechnen sie darauf, dass durch Nord Stream 2, die seit Beginn 2005 im Feuer stehende Pipeline, bald Gas fließt, um das neue Lausitzer Wirtschaftswunder in Gang zu setzen. Seit September letzten Jahres ist die Gasleitung in der Ostsee theoretisch einsatzbereit. Aber zur praktischen Inbetriebnahme fehlt bis heute die Genehmigung.

Den kompletten Artikel findet ihr im vierten Briefing von Neue Lausitz vom 15.2.2022.

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Das Briefing erscheint wöchentlich dienstags 6 Uhr.

Artikel in Neue Lausitz: Sachsens Aufwind und Gegenwind

Aus der Schlusslicht-Rolle beim Ausbau der Windkraft wollte Sachsen nie wirklich raus. Zu groß war die Angst um die Herzen der Menschen im ländlichen Raum. Nun soll mit neuen Abstandsregeln alles besser werden. Denn ohne mehr grünen Strom geraten die Ziele des Strukturwandels in Gefahr. 

Von Anja Paumen

Foto Pixabay

104 Windräder sind in Brandenburg im vergangenen Jahr dazugekommen. Damit liegt das Land – gleichauf mit Niedersachsen – an der Spitze. Sachsen liegt mit einer einzigen neuen Anlage fast ganz hinten.

Der Wind, der in Brandenburg weht, dreht nicht plötzlich an der Landesgrenze zu Sachsen. Die Windkraft aber schon. Die jetzt vorgelegten Zahlen zum Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland zeigen, dass Brandenburg hierbei in der Champions League spielt – und Sachsen um den Klassenerhalt kämpft. Mit 104 neu aufgestellten Windenergie-Anlagen im Jahr 2021 liegt Brandenburg mit Niedersachsen gleichauf an der Spitze der Bundesländer. Sachsen hat derweil ein einziges neues Windrad 2021 – nur Bremen und Hamburg haben weniger errichtet: keins.

Übersetzt man das in die netto neu geschaffene Energieleistung, hat Brandenburg 396 Megawatt neu installiert – Sachsen aber minus sieben. Das Minus im Netto bedeutet, dass die Leistung der neuen Windräder mit denen, die abgeschaltet wurden, verrechnet wird. Schließlich fallen jedes Jahr Windenergieanlagen aus der EEG-Förderung heraus und werden entweder zurückgebaut oder aufgerüstet (repowert). Sachsen hat ein Windrad aufgestellt und gleichzeitig acht zurückgebaut.

Den kompletten Artikel findet ihr in der zweiten Ausgabe des Online Magazins Neue Lausitz.

Neue Lausitz macht hintergründigen, kritischen Online-Journalismus mit fachlicher Tiefenschärfe für die Gestalter in der Lausitz.

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Geld oder Kohle?

Die diesjährige Weltklimakonferenz in Glasgow, COP26, ist zu Ende. Die wichtigsten Fragen drehten sich um Geld und Kohle. Sind die Antworten nun ein Erfolg, Misserfolg oder etwas dazwischen? Was ist die Bilanz der COP26?

Einer, der das beurteilen kann, ist der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres. Er kann es deswegen abschätzen, weil er frei von nationalen Egoismen abwägt. Er spricht für alle 197 Nationen, die auf dem wichtigsten Klimagipfel seit sechs Jahren miteinander gesprochen, widersprochen, gestritten und gerungen haben.

António Guterres, UN-Generalsekretär auf der COP 26

Er sagte am Ende der COP in einer offiziellen Erklärung, es gab einige wichtige Verbesserungen, wie das Ausverhandeln des Regelbuches zum Pariser Übereinkommen und die Einigung um den Handel mit CO2-Gutschriften. Aber es ist noch lange nicht genug. Besonders mahnte er folgende Aspekte an: Geld und Kohle. Mehr Geld für die Entwicklungs- und Schwellenländer und einen schnelleren Kohleausstieg. Hier einige seiner Aussagen.

„Ich bestärke noch einmal, dass wir Subventionen, finanzielle Förderungen, von fossilen Brennstoffen beenden müssen. Wir müssen aus der Kohleförderung, aus dem Abbau von Kohle ((stufenweise)) aussteigen.“

Im englischen Original: „I reaffirm my conviction that we must end fossil fuels subsidies. Phase out coal.“

Er unterstrich auch in seiner Erklärung, wie wichtig es sei, dass die Industrieländer den Schwellenländern helfen, schneller von einer Kohlewirtschaft auf eine grüne Wirtschaft umzusteigen. In diesem Zusammenhang erwähnte er eine Partnerschaft eines Industrielandes mit Südafrika, dass ein Beispiel für solch eine Unterstützung darstelle. Das Industrieland indes nannte er nicht. Aber es ist Deutschland.

Deutschland ist auch eines der Länder, die für einen Geldtopf aus dem Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern bezahlt werden sollen, einen großen Geldanteil bereitstellt. Von etwa 1,5 Milliarden Euro in dem Fonds kommen 150 Millionen Euro, also rund ein Zehntel aus Deutschland.

Überhaupt ist Deutschland auf der Ebene der Klimafinanzierung für Projekte in armen Ländern ein Vorreiter. Daher genießt unser Land auf Klimakonferenzen als Verhandlungspartner eine hohe Glaubwürdigkeit.

António Guterres betonte wie wichtig es ist, dass Industrieländer ihre finanziellen Zusagen einhalten. Insbesondere müssten die Finanzhilfen künftig noch mehr in Anpassungsmaßnahmen und nicht nur in Minderungsmaßnahmen gesteckt werden.

Der Unterschied zwischen beiden? Mehr dazu in meinem Buch.

Das neue Buch:
Projekt Klimaschutz
im oekom Verlag

Hier nur kurz:

Anpassung: Maßnahmen, um die schon nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels, abzufangen. Beispiele: Deiche höher bauen, Siedlungen umsiedeln, Landwirtschaft auf andere Fruchfolgen oder Pratiken umstellen.

Minderung: Maßnahmen, um die Ausstöße, die Emissionen, an Treibhausgasen zu senken. Beispiele: Umstellung von Kohle- oder Erdölförderung auf erneuerbare Energien und Investitionen in CO2-arme Technologien.

Das meiste Geld aus den reichen Ländern für Klimaprojekte in den ärmeren Ländern ging bisher in Minderungsmaßnahmen. Warum ist der Unterschied wichtig? Zum einen ist das Geld, das in Minderung gesteckt wird, auch für die Industrieländer eine Investition in ihre eigene Zukunft. Oder anders gesagt, sie haben auch direkt etwas davon. Denn wenn Länder im globalen Süden, das sind meistens Entwicklungs- oder Schwellenländer, ihre Emissionen verringern, kommt das weltweit dem Klimaschutz zugute. Das verringert dann –  auch wenn man das nicht so ausspricht – den Druck in den reichen Ländern, selbst schnell oder schneller die Emissionen zu reduzieren.

Zum anderen ist das Geld der Industrieländer, das in Adaption, also Anpassung, in den Entwicklungsländern gesteckt wird, auf den kurzfristigen, wirtschaftlichen Blick – aus Sicht der Industrieländer  – verschenkt. Denn wenn in afrikanischen Ländern Menschen vor Dürren oder in Indonesien vor Überflutungen durch vorbeugende Schutzmaßnahmen gerettet werden, hat es nicht direkt positive wirtschaftliche Auswirkungen auf die Industrieländer.

Das klingt schrecklich kalt. Deswegen stellt der UN-Generalsekretär Guterres klar: „Anpassung ist nicht ein technokratischer Begriff, es handelt von Leben oder Tod.“

Im Original: „Adaptation isn’t a technocratic issue, it is life or death.“

Daher flossen bisher die meisten Hilfsgelder in Minderungsmaßnahmen. Das soll sich aber zukünftig ändern. Denn die Klimaschäden im Süden, die man mit Anpassungsmaßnahmen schnell lindern oder beheben soll, sind vor allem durch die Energienutzung und die Emissionen aus dem Norden entstanden. Daher sind die Industrieländer in einer Bringschuld. Aber es hilft auch Vertrauen weltweit aufzubauen. „Nur so gelingt Klimaschutz“, Zitat aus meinem Buch.

Guterres: „Länder vor Klimaschäden und Katastrophen zu schützen ist nicht Wohltätigkeit. Es ist Solidarität und erkanntes Selbstinteresse.“

Im Original klingt es wie im Reim: „Protecting countries from climate disaster is not charity. It is solidarity and enlightened self-interest.“

Für nüchterne Seelen mag das alles völlig übertrieben klingen.

Nun, dann widmen wir uns noch einem anderen Menschen, der etwas zur COP26 sagen kann. Es ist der Präsident der COP26 selbst, der britische Finanzpolitiker Alok Sharma.

Der britische Politiker Alok Sharma ist Präsident der COP 26.

Mit Verlaub, aber Herr Sharma steht in keiner Weise im Verdacht ein Weichei oder nah am Wasser gebaut zu sein. Und doch geschah etwas sehr Beeindruckendes. Es war Samstagabend, schon einen Tag nach dem offziellen Ende der COP, und Alok Sharma verlas das Abschlussdokument Absatz für Absatz, um es danach zu beschließen. Nun gab es diese Passage darin zur Kohle. Also nicht zum Geld, wie im Deutschen das Wort Kohle auch benutzt wird, sondern natürlich in dem Fall zum braunen oder schwarzen Brennstoff aus dem Boden: der Braun- oder Steinkohle.

Um diese Passage wurde während der gesamten Konferenz am härtesten gerungen. In einer früheren Version hatte noch im Text gestanden, dass die Länder darin übereingekommen sind, die Kohleförderung auslaufen zu lassen, auf Englisch „phase out“ coal. Jetzt stand aber dort „phase down“ coal, also sie nur zu verringern. Das ist eine komplett andere Wendung: entweder man lässt Kohle auslaufen, also endet die Kohleförderung, oder man verringert sie, das heißt, man lässt sie weiterlaufen, aber in geringerem Umfang.

Was für einige wenige Kohle-Länder ein nationaler Sieg ist, wie für China und Indien, die Kohle noch weiter nutzen wollen, ist für den Rest der Welt eine schwere Niederlage im Kampf gegen den Klimawandel. Das wissen alle – alle, die an dem Abend, am Samstag, dem 13. November in dem großen Saal auf dem Konferenzgelände in Glasgow sitzen. Alok Sharma, als Verhandlungsführer während der zwei Wochen, muss sich diese Niederlage in der Diplomatie auch selbst ankreiden – zurecht oder zu unrecht. Aber er zeigt jetzt, wo er diese weich gewaschenen Passagen, diesen schlechten Kompromis für den Klimaschutz, den KomproMIST, vorlesen muss, Gefühle.

Dem sonst so selbstbewussten, redegewandten britischen Politprofil, fehlen plötzlich die Worte –  er entschuldigt sich und macht eine … Rede-Pause. Er kann nicht weiterreden!

„Ich möchte mich bei allen Delegierten entschuldigen, wie sich dieser Prozess schließlich entwickelt hat. Ähm, ich bin untröstlich. Ich verstehe die tiefe Enttäuschung [von vielen]. Aber ich denke, wie Sie wissen, dass es wichtig ist, dass wir diese Passage überhaupt verabschieden können [sonst hätten wir sie gar nicht drin gehabt].“

Im Original: „May I just say to all delegates, I apologizes for the way this process has unfolded. And ahm, I am deeply sorry. I also understand the deeply disappointment. But I think as you have noted, it is also vital that we protect this package.“

– Redepause.  – Stille im Saal. Manche verstehen erst gar nicht, was los ist. Als sie es begreifen, klatschen sie. Applaus aus dem Saal – erst zögerlich, dann immer stärker. Applaus nicht für die Passage, sondern für die Emotionen. Respekt und Anerkennug, dass Alok Sharma mit den Tränen kämpft, weil er es nicht besser ausgehandelt hat. Dafür bittet er um Entschuldigung. Hier bekommen die Klimaverhandlungen das, was sie neben dem wissenschaftlichen Verstehen brauchen: Herz und Mitgefühl.

Alok Sharma, Präsident der COP 26, kämpft mit den Tränen.

Diese Szene ging um die Welt. Ein harter Verhandler kämpft mit den Tränen – er weiß um die Enttäuschung, er ist selbst enttäuscht.

Für mich ist das eine der zentralen Szenen der gesamten Weltklimakonferenz. Sie spricht Bände.

Denn wer einmal verstanden hat, um was es geht, den können Rückschläge beim Kampf gegen den Klimawandel nicht mehr kalt lassen. Da António Guterres das schon lange weiß, redet er auch so eindringlich. Da auch Alok Sharma das nun verstanden hat, kommen ihm die Tränen – angesichts der vertanen Chance: nicht Ende der Kohleförderung, sondern nur eine Verringerung. Das ist nicht genug. Das ist ein Verhandlungsfehler, ein Misserfolg.

Angesichts der Not, die uns alle betrifft, ist sie offensichtlich noch nicht groß genug, damit alle Länder sich wirklich zusammentun. Damit 197 Länder auf eigene Vorteile verzichten und sich einigen, einschwören und aufmachen, das Klima zu schützen, ist die Not noch nicht groß genug. Das ist das Fazit der COP26: immer noch nicht.

Lausitzwelle TV Antworten auf Umfrage in Senftenberg

Welche Fragen haben die Menschen in der Lausitz zum Klimawandel? Wie sehen sie die Einschränkungen, die durch Klimaschutzmaßnahmen auf sie zukommen? Auf die Umfrage vom Marktplatz in Senftenberg antwortete ich am nächsten Tag im Studio der Lausitzwelle in Hoyerswerda.

Gesendet am 15. November. Länge: knapp 8 min.

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Wir brauchen einen Lausitzer Bürgerrat fürs Klima. Damit die Menschen, die hier leben, mitentscheiden können, was gut fürs Klima und gut für das Leben vor Ort ist. Das ist für mich ein Ergebnis aus der Umfrage aus dem Lausitzer Seenland.

Die Lausitz ist in Deutschland eine der Regionen, die den Klimawandel langfristig am stärksten zu spüren bekommen. Wirtschaftlich und wettertechnisch. Diese Veränderungen sind nicht aufzuhalten. Deswegen sollten wir sie mitgestalten als sie nur zu erdulden. Jede Veränderung schmerzt. Es hilft zu verstehen, was dabei passiert.

Die Lausitzwelle hat ihr Sendegebiet in der ganzen Lausitz, im Teil von Brandenburg und im Teil von Sachsen. Sie sendet aus Hoyerswerda in Sachsen direkt an der Grenze zu Brandenburg. Sie widmet sich auch den Schmerzthemen: Strukturwandel und Klimawandel.

Artikel im Cicero: CO2-Entnahmetechnologien

Wer immer nur CO2 in die Luft entlässt oder das zu langsam verringert oder beendet, muss sich irgendwann fragen, wie man CO2 wieder aus der Luft herausholt. Ohne CO2-Entnahmetechnologien wird Klimaschutz nicht klappen. Mehr auf Cicero online.

Cicero Magazin, Online Artikel vom 12. November 2021

Was der Wald durch Photosynthese schafft, lässt sich auch mit Technologie erreichen: der Luft CO2 entnehmen / dpa

Klimaschutz
CO2-Entnahme: Innovation statt Verbote

Ein strittiger Punkt auf der Klimakonferenz in Glasgow war die Frage nach dem internationalen Handel mit Emissionsrechten, also Rechten oder Gutschriften, um Treibhausgase auszustoßen. Die Rechte sind kostbar, weil es in Zukunft immer teurer werden wird, CO2 auszustoßen. Ein neuer Absatzmarkt bietet sich an: Technologien zu entwickeln, die Emissionen senken, vermeiden oder sie sogar zurückholen.
VON ANJA PAUMEN am 12. November 2021

Cicero – Magazin für politische Kultur

Lausitzwelle TV Interview zu Beginn der COP26

Interview mit der Lausitzwelle, TV und Radio aus Hoyerswerda. Was kann die Weltklimakonferenz COP26 leisten und was bedeutet das für die Lausitz?

Gesendet am 5. November im Fernsehprogramm der Lausitzwelle. Länge 5:20 min.

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In der ersten Woche der COP26, der Weltklimakonferenz in Glasgow, standen die Zeichen gut. Die Staats- und Regierungschefs mahnten zu Fortschritten und die Stimmung in der deutschen Delegation war dementsprechend optimistisch.

Die Lausitz ist in Deutschland eine der Regionen, die den Klimawandel langfristig am stärksten zu spüren bekommen. Wirtschaftlich und wettertechnisch. Diese Veränderungen sind nicht aufzuhalten. Deswegen sollten wir sie mitgestalten als sie nur zu erdulden. Jede Veränderung schmerzt. Es hilft zu verstehen, was dabei passiert.

Die Lausitzwelle hat ihr Sendegebiet in der ganzen Lausitz, im Teil von Brandenburg und im Teil von Sachsen. Sie sendet aus Hoyerswerda in Sachsen direkt an der Grenze zu Brandenburg. Sie widmet sich auch den Schmerzthemen: Strukturwandel und Klimawandel.