Der US-Film „Der Astronaut“ ist die Friedensbotschaft aus Hollywood zu Ostern 2026. Technisch, schauspielerisch und inhaltlich brilliant und immens wichtig!
Der Astronaut ist kein Astronaut. I am not an astronaut – astronot! The not in astronaut, erklärt der Lehrer Ryland Grace der Kommandantin Eva Stratt energisch. Im Original ist auch dieser Film besser, weil er die Wortwitze überträgt. In der synchronisierten Fassung geht das unter und trotzdem ist der Film unbedingt zu empfehlen.
„Project Hail Mary“. Deutscher Titel: „Der Astronaut“. US 2026 Director: Phil Lord, Christopher Miller. Beruht auf dem Buch „Project Hail Mary“ by Andy Weir. Starring Ryan Gosling, Sandra Hüller u.a. 156 min
Im Personenkult um die Darsteller Ryan Gosling und Sandra Hüller geht etwas der Fokus des Films verloren: das Überwinden von (kulturellen) Grenzen. Daher erzähle ich hier von dem, um was es in Project Hail Mary eigentlich geht.

Der Film Project Hail Mary – Der Astronaut erzählt die Geschichte von zwei Auserwählten im Weltall, die von ihren jeweiligen Gesellschaften dorthin entsandt wurden, um ihren Planeten zu retten. Dort oben treffen sie unerwartet aufeinander und stehen vor der Frage: Wie reagiere ich auf einen, der auf dem ersten Blick so krass anders ist als ich?
Hail Mary wörtlich übersetzt „Ave Maria“ heißt im übertragenen Sinne „letzter Versuch“, last try*! Der Film Project Hail Mary hat für mich diese Botschaft: Menschen auf diesem Planeten, öffnet die Herzen für den Nachbarn und schließt die Ohren für die Kriegstreiber! Seht vor allem das, was uns eint, und habt keine Angst vor dem, was uns unterscheidet! Ihr habt diese letzte Chance.
Im Film haben der Mensch Dr. Ryland Grace und der Alien Rocky die gleiche Mission, doch sie wissen das zuerst nicht. Rocky ist ein spinnenartiges Lebewesen aus Felsgestein vom Planeten Erid. Sie beide kommen aus unterschiedlichen Galaxien, sehen völlig anders aus und kommunizieren mit anderen Mitteln. Als sie sich entscheiden, das Gemeinsame vor dem Trennenden zu sehen, retten sie sich und ihre Mit-Menschen und Mit-Eridianer.

Ihre Sterne werden von dem gleichen Feind bedroht: den Astrophagen. In einem Angriff dieser Sternenzerstörer wird Dr. Grace verletzt. Als er den Knopf, der ihn an die wichtige Sauerstoffversorgung anschließt, nicht mehr aus eigener Kraft drücken kann, riskiert Rocky sein Leben. Er schlüpft aus seiner lebensspendenden gallertartigen Druckkammer, um zur Armatur zu gelangen und den Knopf zu drücken.
Nicht durch Kriege, sondern durch Zusammenarbeit, nicht durch das Trennende, sondern nur durch das Gemeinsame, erhalten wir uns und unsere(n) Planeten.
Ein anderes Mal ist Dr. Grace auf dem Weg zurück zur Erde. Doch er erkennt, dass Rocky, der auf dem Weg zurück zu Erid ist, sterben wird. Nur er, Dr. Grace, kann das verhindern. Nutzt er nun den restlichen Treibstoff im Tank seines Raumschiffes, um zur Erde zu gelangen oder zum Raumschiff seines Freundes Rocky zu fliegen? Er hat nur Treibstoff für einen Weg.
Vielleicht ist das Aufeinanderzugehen im Weltall einfacher. Im Nichts sehen wir klarer, dass etwas Universelles uns verbindet. Wenn dort oben fernab der Heimat sich die letzten zwei gegenüberstehen, Rocky das Felsenwesen und Dr. Grace der Mensch, steht die Frage im (Welt-)Raum: Kampf oder Kooperation? Wie reagiere ich auf den Alien? Wobei für Rocky der Mensch Grace der Alien ist.
Das ist die Botschaft: Ob Amerikaner oder Russe, Iraner oder Israeli – immer können wir Freunde werden, wenn wir ein gemeinsames Ziel verfolgen. Wenn wir das Gemeinsame vor dem Trennenden setzen. Dazu können wir die universelle Sprache benutzen.
Kürzlich war ich in der Notre-Dame von Paris. Täglich strömen Tausende aus aller Welt in die heiligen Hallen und bestaunen die unvergängliche Botschaft dieses Bauwerks – wieder aufgebaut nach dem katastrophalen Brand im April 2019.

Die Menschen in der Kirche sprechen auch zu Ostern 2026 die tausend Sprachen der Welt. Erst sprechen sie leise, aber dann immer lauter werdend, so dass das Gemurmel anschwillt. Ab einem bestimmte Geräuschpegel schaltet sich eine automatische Lautsprecheransage ein: „Schschschscheeeeeeeeeee“.
Erst nach diesem langen Ton kommt der Satz „Silence s’ils vous plaît! Silence please! Silencio por favor! „Sei leise“ auf drei Sprachen von drei verschiedenen Stimmen gesprochen. Aber dieser Wortteil wäre gar nicht nötig gewesen. Denn allein das Schschschscheeeeeeeeeee brachte den Lärmpegel sofort herunter. Ein jeder in der Kirche verbindet das, mit der Aufforderung leise zu sein.
Das erinnerte mich an die universelle Sprache, die jenseits der Vokabeln liegt. Ob es das Schschscheeeeeeeee oder der Zeigefinger vor den Lippen ist oder die vielen anderen wortlosen Gesten, die ohne Worte verstanden werden. „Schschscheeeeeeeee“ in einer Kirche, Moschee, Synagoge oder sonstigem Heiligtum reicht, um allen zu sagen: Sei leise – achte das, was anderen heilig ist!

Viele Führer betonen hingegen nur das Trennende zwischen den Völkern. Es sind Volksverführer, die erklären, was uns unterscheidet. Sie sagen die Feinde, sind die aus der anderen Kultur. Dabei ist das Trennende mengenmäßig viel weniger. Wenn wir nur dahinschauen, verlieren wir alle. Dann folgen Kriege und Konflikte, die nie aufhören. Das ist eine Falle, in die wir nicht tappen müssen.
Die größten Feinde unserer Freiheit kommen oft von innen. Hingegen sind die besten Freunde manchmal die, die wir aus anderen Kulturen neu hinzugewonnen haben, so wie im Film Rocky und Dr. Grace. Sie sehen zwar zuerst das Trennende, es ist offensichtlich, aber sie suchen zugleich das Gemeinsame. Dabei hilft ihnen die universelle Sprache: gleiche Gesten und gleiche Werte, jenseits von Kultur.
Auf die heutige Situaiton auf der Erde übertragen, heißt das: Wenn wir das Universelle und damit das Gemeinsame zwischen den Menschen suchen und ausbauen, anstatt was uns voneinander trennt, dann entsteht Frieden. Dann einigen wir uns auf gleiche Ziele und verhandeln notwendige Kompromisse. Das wird uns allen mehr Wohlstand bringen, als es die Wut einzelner Führer könnte. Wie das geht, zeigt der Film. Ein Meisterwerk zur richtigen Zeit.
*Hail Mary: Gegrüßet seist du, Maria. Ave Maria!
Hail Mary pass, Hail Mary shot: (im Sport) letzter Wurf, letzter Schuss aus großer Entfernung, um das Spiel noch zu gewinnen.

